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<< Kevelaer-Kapelle Hochbunker, Carl-Duisberg-Str. Wohngebäude, Kaiserstr. 9 >>
Hochbunker, Carl-Duisberg-Str. wurde 15.04.2002 unter Schutz gestellt.
Hochbunker, Carl-Duisberg-Str. läßt sich auf 1941 datieren.

Hochbunker Carl-Duisberg-Str. (12 k) Hochbunker, Carl-Duisberg-Str. ist hier zu finden: Carl-Duisberg-Str. 319
Hochbunker
Bauentwicklung Erbaut ab 1941, erst nach Kriegsende völlig fertiggestellt. In behelfsmäßiger Zivilschutznutzung vor Fertigstellung der Inneneinrichtung ab Sommer 1943. Achtgeschossiger Hochbunker über einem längsrechteckigen Grundriß von 11,85m x 14,40m. Er wird von zwei flachgedeckten Eingangsschleusen an den Gebäudelängsseiten erschlossen, die die dahinterliegenden Gasschleusen vor Splittereinwirkungen schützen. In der Hauptfassadenmitte befindet sich ab dem 7. 0bergeschoß ein erkerartiger halbrunder Vorbau, der über Kranzgesimshöhe zu einem Aufbau in Form einer Panzerkuppel mit vier Beobachtungs- und Schießscharten hochgeführt ist. Zusätzlich gliedert eine Doppelreihe von je fünf konsolsteinartigen Lüftungsöffnungen die Schmalseiten. Die innere Erschließung des Bunkers erfolgt durch ein mittiges Treppenhaus. Der Zugang in die Kanzel erfolgt über eine Wendeltreppe in dem Wandvorsprung. Die Gesamtherstellungskosten beliefen sich auf 628.517,73 Reichsmark. Durch die fortschreitende Entwicklung in der militärischen Luftfahrt wurde die Notwendigkeit des zivilen Luftschutzes (LS) bereits während des 1. Weltkrieges erkannt, die Maßnahmen beschränkten sich jedoch auf Verdunklungsvorschriften, den Einsatz von Warnsirenen und die Anlage einfacher Gräben oder Stollen. Nach dem Versailler Vertrag waren nach 1918 alle Mittel des aktiven Luftschutzes für Deutschland verboten. Trotzdem wurde zu Zeiten der Weimarer Republik der rechtliche Luftschutz, d.h. Richtlinien zur Organisation ausgearbeitet, dessen Schwerpunkt auf dem Schutz der Zivilbevölkerung lag. Die Nationalsozialisten bauten die rechtlichen Verankerungen weiter aus und regelten Aufgaben, Organisation und Durchführung. Bei der parallelen Entwicklung geeigneter Schutzbauten wurden - vom einfachen Stollenbau ausgehend, über den Ausbau von Treppenhäusern zu Schutzräumen (1925) - ab 1936 zunächst Hochbunker in Turmformen entwickelt. Mit Inkrafttreten des "Führer-Sofortprogramms" im September 1940 schritt die Entwicklung rapide voran. Dieses "Sofortprogramm" enthielt Bestimmungen zur Durchführung baulicher Maßnahmen im Luftschutz mit detaillierten Angaben über die Art der zu errichtenden Gebäude. Mit der Durchführung beauftragte man für Berlin den Generalbauinspektor für das Reichsgebiet, die Organisation Todt (größte, zivile Arbeitsorganisation für militärische Infrastrukturbauten). Das "Sofortprogramm" erfaßte 81 deutsche Großstädte oder Industriestandorte, darunter auch Leverkusen. Im Juli 1941 erließ das Reichsluftfahrtministerium allgemeingültige "Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern". Diese Richtlinien wurden kontinuierlich aktualisiert, die letzte Ergänzung datiert vom 26.5.1944. Grundregeln waren: Bunker mußten erschütterungssicher (Sprengbomben), nicht brennbar (Brandbomben), mit durchschlagsicheren Decken versehen und leicht zu entgiften sein. Dazu kam ein zweckmäßiger Grundriß mit Fluchtmöglichkeiten (Treppenhäuser, Notausgänge) und eine ausreichende Wandstärke im Verhältnis zur Größe. So variieren die Mindestdicken der Wände und Decken mit dem Fassungsvermögen der Bunker: bei mehr als 1500 Personen 3m; bei 300-1500 Personen 2,50m und bei bis zu 300 Personen 2m. Die Bestimmungen vom Juli 1941 gingen auf angriffsbedingte Gegebenheiten ein, die späteren Versionen sahen speziell Änderungen für Langzeitaufenthalte mit dementsprechend hohem Raumbedarf vor. Auch stellte man den Bau von Tiefbunkern, der fünfmal soviel Beton verbrauchte wie der Bau von Hochbunkern, ein. Insgesamt entstanden etwa 3000 Bunker. Auf dem heutigen Gebiet von Nordrhein-Westfalen wurden 540.000 m² Schutzraumfläche geschaffen, 77% davon waren Hochbunker. Planungsgrundlage aller Aktivitäten war ein sogenannter "LS-Bunker-Plan". Er enthielt Maßgaben wie sich die Schutzbauten in luftschutzmäßiger, städtebaulicher und baukünstlerischer Hinsicht in ihre Umgebung einzufügen hatten. Hochbunker wurden dabei freistehend, an ein Gebäude angebaut oder in bestehende Bebauung eingebaut errichtet. Ihre äußere Form war vielgestaltig und orientierte sich am Stadtbild und seiner regionaltypischen Bebauung, zudem verwendete man gerne zur Tarnung althergebrachte Formen wie Kirchen, Burgen oder mittelalterliche Befestigungsanlagen. Neben der Gestaltung wurde der Bunkerbau eng mit städtebaulichen Zielen verbunden (luftschutzgerechter Städtebau, d. h. Sanierung enger Stadtgebiete, Anpassung an die historische Umgebung, Auswirkung auf Straßen- und Platzgestaltung). Luftschutzbunker gehörten außerdem zur Ausstattung neu projektierter Wohnviertel, Industrieanlagen und Versorgungseinrichtungen. Nach dem anfänglich propagierten architektonisch-städtebaulichen Element, das den Bunker zum Blickpunkt im Stadt- oder Straßenbild werden lassen sollte, dominierte bald der Aspekt des reinen Zweckbaus, der sich bescheiden vorhandener Bebauung unterordnete. Der deutsche Städtebau ist durch die partielle Zusammenballung von Wohn- und Wirtschaftsräumen gekennzeichnet. In ihnen befinden sich die Schwerpunkte der Industrie, des Handels, der Wirtschaft und der Versorgung. Dies trifft speziell auch auf die Entwicklung der Stadt Leverkusen zu. Hier hatten sich einige bedeutende Firmen wie Wuppermann, Dynamit AG, Eumuco oder die IG-Werke niedergelassen, deren Zerstörung der Zweck der Luftangriffe war. So ergaben sich besonders gefährdete Punkte innerhalb der Stadt. Dies galt es bei der Entwicklung des Luftschutzes zu beachten. Vor allem der Stadtteil Wiesdorf und seine städtebauliche Entwicklung sind untrennbar mit der Firma Bayer (früher IG-Werke) verbunden. In einer Achse mit dem Haupteingang des Bayer-Werkes befindet sich der Hochbunker Carl-Duisberg-Straße, der wegen seines Bezugs zum Haupteingang des Werkes auch "Pförtner I" genannt wurde. Gleichzeitig schließt sich rückwärtig an ihn eine Werkskolonie der Bayer AG an. Aus erhaltenen Unterlagen geht hervor, daß die Überwachung des Luftraumes vom Hochbunker aus überwiegend von Werksangestellten übernommen wurde. Der Bunker Carl-Duisberg-Straße ist beispielhaft für eine spezielle architekturgeschichtliche Entwicklung in Deutschland in den 1940er Jahren - den Bunkerbau als originäre Bauaufgabe des Dritten Reiches. Seine äußere Form, die an mittelalterliche Wehrbauten angelehnt ist, diente zur Tarnung bei Feindangriffen und ist hier gleichzeitig gestalterisches Mittel in der von vielen Seiten einsichtigen Platzsituation. Zudem sollte - gerade in der Anfangszeit des Bunkerbaus - durch Anlehnung an die Festungsbauten des Mittelalters, die Wehrhaftigkeit der Luftschutzbauten manifestiert werden. Der markante Baukörper prägt in entscheidender Weise den Straßenraum gegenüber dem Werkseingang, so daß seine Erhaltung auch aus städtebaulichen Gründen geboten erscheint. Als Zeugnis für den Luftkrieg, ist er zugleich als Mahnmal bedeutend für die Geschichte des Menschen. An der Erhaltung und Nutzung besteht aus historischen (militär-, stadt- und architekturgeschichtlichen) sowie städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse.
vermietet an Ars Sica, Firma für mittelalterliche Gebrauchsgegenstände
GoogleMaps:Stadtplan-Eintrag

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2 Bilder, die sich auf Hochbunker, Carl-Duisberg-Str. beziehen:
22.07.2007: Bunker Carl-Duisberg-Str., Eingang
00.00.0000: Bunker, Carl-Duisberg-Str.


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