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07.11.2003 (Quelle: Bayer)
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Bayer will Chemieaktivitäten an die Börse bringen und verändert strategischen Fokus im Gesundheitsbereich


Wenning setzt Neuausrichtung konsequent fort: Aufsichtsrat stimmt Plänen des Vorstands zu
Fokussierung auf Kerngeschäfte soll Wettbewerbsfähigkeit von Bayer stärken
Neue Gesellschaft soll zu den führenden Chemieunternehmen Europas gehören

Der Bayer-Konzern will nach der erfolgreichen Umsetzung der Neuorganisation die Fokussierung auf seine Kerngeschäfte weiter vorantreiben und sich zukünftig auf die Bereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien konzentrieren. Deshalb werden die Bayer Chemicals (mit Ausnahme von H. C. Starck und Wolff Walsrode) sowie einige Geschäftsfelder aus dem Bereich Polymere in eine eigene Gesellschaft unter dem vorläufigen Namen „NewCo“ ausgegliedert, die bis Anfang 2005 mit einem neuen Firmennamen an die Börse gebracht werden soll. Diesen Plänen des Bayer-Vorstands hat der Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung zugestimmt. Vorstandsvorsitzender der neuen Gesellschaft soll Dr. Axel Claus Heitmann (44) werden, derzeit Mitglied des Executive Committees von Bayer Polymers und Leiter der Region Asien/Pazifik mit Sitz in Shanghai.
„Von der Trennung werden sowohl Bayer als auch NewCo profitieren, denn ein Gang an die Börse hat eine hohe Attraktivität für Aktionäre und Mitarbeiter“, erläuterte Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning. „Bayer kann sich nach der Aufteilung mit einem Umsatz von rund 22 Milliarden Euro stärker auf seine Kerngeschäfte fokussieren, in denen wir über exzellente Technologien, starke Marktpositionen und vor allem über Wachstumsfelder verfügen, die wir durch die Bündelung aller Ressourcen weiter stärken werden. Damit wollen wir den Erfolg unseres Konzerns nachhaltig sichern und zusätzlichen Wert schaffen. Die Neuorganisation unseres Unternehmens war eine wichtige Voraussetzung für diesen bedeutsamen Schritt. Gleichzeitig sichern wir die Zukunft unserer bisherigen Chemiesparte, denn NewCo wird als eigenständiges Unternehmen schneller und flexibler reagieren können. In ihrem neuen Umfeld werden die Chemie- und Polymerbereiche als alleinige Kerngeschäfte die absolute Priorität der neuen Unternehmensführung genießen.“

Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben den Plänen des Bayer-Vorstands zugestimmt. „Das ist uns natürlich nicht leicht gefallen, denn für viele Kolleginnen und Kollegen wird es sicherlich ein schmerzlicher Einschnitt sein, nicht mehr für Bayer zu arbeiten“, kommentierte Erhard Gipperich, Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Bayer AG. „Doch letztlich geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen - sowohl bei Bayer als auch bei NewCo. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen und werden alles tun, den Übergang fair und sozialverträglich zu gestalten. Mit den in diesem Zusammenhang abgeschlossenen Zusatzvereinbarungen haben wir für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute Basis für die Zukunftssicherung der Arbeitsplätze gelegt.“

So wurde vereinbart, dass die Bayer AG das angekündigte Potenzial von abzubauenden Arbeitsplätzen um 1.000 reduzieren wird. Ermöglicht wird dieser Schritt durch eine Solidaritätsaktion aller Mitarbeiter im Unternehmen, deren variables Einkommen sich um bis zu 10 Prozent reduziert. Das gilt für Vorstandsmitglieder ebenso wie für jeden Sachbearbeiter. Außerdem wurde die Standort-Sicherungsvereinbarung verlängert, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2007 ausschließt. Diese Regelung betrifft sowohl die Bayer AG als auch NewCo, deren Mitarbeiter auch in Zukunft nach den Tarifen der Industriegewerkschaft Bergbau/Chemie/Energie entlohnt werden. Alle Möglichkeiten des zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat geschlossenen Beschäftigungspakts sollen forciert genutzt werden. Zudem wird die Zahl der Ausbildungsplätze mit 875 auf dem hohen Niveau des laufenden Jahres festgeschrieben. In verbindlichen Leistungsverträgen zwischen den Bayer-Servicegesellschaften und der NewCo werden alle Dienstleistungen geregelt. Dabei soll die neue Gesellschaft so behandelt werden wie die anderen Bayer-Teilkonzerne.

Nach dem Börsengang von NewCo will Bayer zukünftig alle Finanz- und Managementkräfte primär für die Entwicklung und den Ausbau der Kernaktivitäten in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien verwenden, die vorwiegend forschungsintensiv sind. In diesen Segmenten sieht Wenning ein hohes Wachstumspotenzial, aber auch entsprechenden Investitionsbedarf. „Damit stehen uns keine ausreichenden Mittel zur Verfügung, um die Marktposition unseres Chemiegeschäfts und einiger Polymer-Aktivitäten zu halten oder gar auszubauen“, sagte der Bayer-Chef. Durch die Aufspaltung würden die notwendigen unternehmerischen Impulse freigesetzt und für beide Unternehmen gute Voraussetzungen geschaffen für eine im Hinblick auf die jeweilige Geschäftslogik optimierte Strategie.

Das Bayer-spezifische Know-how über Mensch, Tier, Pflanze und Materialien sowie die entsprechenden Produkte bieten die Basis für langfristiges und nachhaltiges Wachstum in den Märkten der Zukunft, auf die sich Bayer spezialisieren will. Nach der Umstrukturierung wird das Unternehmen aus drei operativen Teilkonzernen bestehen: Bayer HealthCare, Bayer CropScience und Bayer MaterialScience.

Haupt-Wachstumsfelder ergeben sich in erster Linie durch neue Produkte aus der Wirkstoff-Forschung, dem konsumnahen Gesundheitsgeschäft und dem Wachstum in Asien. Zur Wertsteigerung sollen aber auch die Konzern-übergreifende Nutzung der Technologieplattformen, die Nanotechnologie sowie der Ausbau der Bio- und Gentechnologie als wichtiger Innovationsmotor beitragen.

Die Biotechnologie ermöglicht nicht nur nachhaltige Qualitäts- und Ertragssteigerungen bei Nahrungsmitteln im Bereich CropScience, sondern eröffnet auch neue Verwendungsmöglichkeiten für andere Aktivitäten wie z.B. die Gendiagnostik.

Mit der neuen Ausrichtung des Konzerns wird auch das Pharmageschäft neu positioniert. „Wir haben sämtliche Handlungsoptionen für unser gesamtes Pharmageschäft ausgelotet - insbesondere die Gründung von Partnerschaften. Dabei mussten wir feststellen, dass sich keine Möglichkeit bot, die den Wert unserer Pharma-Sparte in zufriedenstellender Weise berücksichtigte. Die sich bietenden Kombinationsvarianten mit anderen Unternehmen hätten aus unserer Sicht nicht zu einer Wertschaffung geführt“, erläuterte Werner Wenning. „Wir wollen uns deshalb auf unsere eigenen Stärken konzentrieren und unser Pharma-Geschäft mit signifikant angepassten Strukturen in die Zukunft führen.“ Dazu wird sich das Unternehmen in der Forschung auf jene Therapiegebiete konzentrieren, in denen Bayer bereits heute eine bedeutende Rolle spielt und erfolgreiche Produkte entwickelt hat: Antiinfektiva, Herz-Kreislauf (einschließlich Diabetes und Fettsucht) sowie Urologie. Darüber hinaus verfügt Bayer in der Onkologie (Krebsforschung) über vielversprechende Produkt-Entwicklungen.

„Wir wollen unseren Pharma-Bereich als mittelgroßes europäisches Pharmaunternehmen positionieren, denn wir sind davon überzeugt, mit diesem Vorgehen die derzeit wertschaffendste Lösung für unsere Aktionäre zu realisieren“, kommentierte Wenning. Die Aktivitäten werden zukünftig stärker auf Europa ausgerichtet sein, ohne dabei die wichtigen Märkte USA und Asien zu vernachlässigen. Bei der Restrukturierung dieses Bereichs, so der Vorstandsvorsitzende, seien bereits große Fortschritte erzielt worden. Auch die erfolgreichen Markteinführungen neuer Produkte gäben Anlass zu Optimismus. So habe sich beispielsweise das Potenzmittel „Levitra“ erfreulich entwickelt. Einen wichtigen Schritt habe man auch auf dem Gebiet der Krebsforschung erreicht. Ein Raf-Kinase Inhibitor, der gemeinsam mit der US-Firma Onyx entwickelt wird, hat für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzell-Karzinoms die Phase III der klinischen Forschung erreicht.

Besondere Wachstumschancen sieht Wenning im Gesundheitssektor vor allem in den konsumnahen Bereichen. Hier belegt Bayer mit den Geschäftsbereichen Consumer Care, Diagnostika und Animal Health weltweit gute bis sehr gute Positionen. Diese Aktivitäten sollen weiter ausgebaut werden.

Das CropScience-Geschäft ist in den Segmenten Herbizide, Insektizide, Fungizide und Saatgutbehandlung hervorragend positioniert - mit dem Ziel, stärker als der Markt zu wachsen. Der Bereich Environmental Science ist Marktführer in der Schädlingsbekämpfung für Haus und Garten. Und im Bereich Bio Science verfügt Bayer über beachtliches Know-how auf dem Gebiet der Biotechnologie, für das Experten mit jährlichen Zuwachsraten von 15 Prozent rechnen.

Im MaterialScience-Bereich besetzt Bayer mit Polyurethanen, Polycarbonaten und Lackrohstoffen weltweit führende Positionen und verfügt über international anerkannte Spitzentechnologien sowie langjähriges Know-how. Die Wachstumsbereiche hochwertiger Kunststoff- und Lackmaterialien werden konsequent weiter ausgebaut - mit einem Investitionsschwerpunkt im Zukunftsmarkt Asien. Allein in China baut bzw. plant Bayer derzeit mehrere neue Anlagen. Zu diesem Teilkonzern werden zukünftig auch die Tochtergesellschaften H. C. Starck und Wolff Walsrode gehören.

Neben den drei Teilkonzernen werden weiterhin drei Servicegesellschaften zum Bayer-Konzern gehören, die auch für NewCo tätig sein werden. Mitarbeiter dieser Gesellschaften, deren Aufgaben sich ausschließlich auf Bereiche konzentriert haben, die demnächst zu dem neuen Unternehmen gehören werden, sollen dorthin wechseln.

Die neu entstehende Gesellschaft NewCo wird mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro und rund 20.000 Mitarbeitern zu den führenden Chemie-Anbietern Europas gehören, in mehr als zwei Dritteln der Marktsegmente führende Positionen im internationalen Wettbewerb belegen und bei der Produktionstechnologie weltweit eine Spitzenposition einnehmen. „Durch die Selbstständigkeit können wir NewCo kräftige unternehmerische Impulse geben, um auch in diesem Bereich die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und überdurchschnittliches Wachstum und Wertsteigerung zu ermöglichen“, kommentierte Werner Wenning.

Als eigenständiges Unternehmen soll NewCo in die Lage versetzt werden, Kapitalressourcen effizient zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen oder nach eigenem Ermessen Partner oder Investoren zu suchen. In der neuen Struktur wird es zudem besser möglich sein, den Managementfokus auf die spezifischen Anforderungen der Chemie-Geschäfte auszurichten, Strukturen und Prozesse gemäß den Erfordernissen der Chemie anzupassen und zu beschleunigen sowie Nischengeschäfte mit neuen Geschäftsmodellen zu aktivieren - mit dem Ziel, durch verstärkte Innovation, effizienten Einsatz von Ressourcen und forciertem Ausbau von attraktiven Spezialanwendungen weiter zu wachsen.

Mit rund 5.000 Produkten wird NewCo über ein umfangreiches Sortiment an Basis-, Spezial- und Feinchemikalien sowie Polymeren verfügen, darunter u. a. Produkte für die Herstellung von Wirkstoffen für die Pharma- und Pflanzenschutzindustrie, Materialschutzprodukte, Chemikalien für die Leder-, Textil- und Papierindustrie, Ionenaustauscher zur Wasseraufbereitung, anorganische Pigmente zur Einfärbung von Betonteilen und Kunststoffen, Kunststoff-Additive wie Flammschutzmittel und Weichmacher, Festkautschuk und Kautschukchemikalien für die Gummi- und Reifenindustrie sowie ABS (Styrenics) und Teilkristalline Thermoplaste, die bevorzugt im Automobilbau zur Anwendung kommen und sich auch besonders zur Herstellung von Abdeckungen und Gehäusen eignen. NewCo wird weltweit vertreten sein und über Produktionsanlagen und Vertriebsorganisationen in 40 Gesellschaften und 20 Ländern verfügen.


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Letzte Änderung am 27.07.2016 14:02 von leverkusen.
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