Stadtplan Leverkusen
26.09.2010 (Quelle: Stadtverwaltung)
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Trauerfeier für die anonym Bestatteten auf dem Friedhof Reuschenberg


Anläßlich der Trauerfeier für die anonym Bestatteten hielt Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn heute auf dem Friedhof Reuschenberg folgende Rede:


"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
liebe Trauergemeinde,

zum dritten Mal erweisen wir in Leverkusen heute Menschen die letzte Ehre, die hier auf dem anonymen Gräberfeld bestattet wurden. Es sind Mitbürgerinnen und Mitbürger, die von der Stadt Leverkusen beerdigt werden, meist weil sich keine Angehörigen mehr fanden, um ein Begräbnis und eine Grabstelle zu bezahlen.

Bei Sozialbegräbnissen ist die anonyme Bestattung die Regel.

Dennoch: „Gott hat jeden Menschen bei seinem Namen gerufen“, heißt im Buch Jesaja - und deshalb wollen wir die Namen derer verlesen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Wenn man sich die Liste betrachtet, fällt auf, dass darunter ganz alte Menschen waren - die älteste war 1917 geboren worden - und noch verhältnismäßig junge. Die jüngste unter ihnen wurde 1973 geboren. Das heißt: Sie war 37 Jahre alt.

Wenn man diese beiden Geburtsdaten vergleicht, wird deutlich, wie unterschiedlich die Schicksale sein können, die dazu führen, dass sich keine Verwandten mehr finden. Was bei einer 93jährigen zwar traurig, aber noch einigermaßen nachvollziehbar ist, bestürzt bei einer 37jährigen. Denn es lässt Einsamkeit vermuten.

Wir wissen nicht welche Lebenswege, welche Schicksalsschläge bis zum Tod erlitten worden sind. Wir können nur vermuten, dass die Menschen, derer wir heute gedenken, nicht oder nicht mehr gut aufgehoben waren in unserer Welt. Dass entweder, alle, die ihnen lieb waren schon gestorben sind, oder das soziale Umfeld im Laufe der Jahre immer dürftiger geworden ist.

Die moderne Gesellschaft hält einige Einsamkeitsrisiken bereit: Die häufig im Beruf geforderte Mobilität kann gewachsene Bindungen brüchig und marode machen, instabile familiäre Beziehungen lösen Verantwortlichkeit auf, eine immer höhere Lebenserwartung lässt selbst Menschen einsam zurück, die früher eng verbunden mit ihrer Familie und ihren Freunden waren. Nicht selten wird die anonyme Bestattungsform auch gewählt, weil man nach seinem Tode den Angehörigen nicht mehr zur Last fallen möchte, z. B. Grabpflege, Angehörige leben weit entfernt etc.

In jedem Fall ist der Mensch nicht dafür gemacht einsam zu sein. Ich freue mich deshalb über jeden, der heute hierher gekommen ist, um der Menschen zu gedenken, die zwischen September 2009 und August 2010 hier auf dem anonymen Gräberfeld bestattet wurden. Sie zeigen mir, dass diese Menschen nicht ganz allein waren. Sie haben diese Menschen noch nicht vergessen.

Jeder Tod sollte deshalb eine Mahnung an die Lebenden sein. Wir sollten das Leben nutzen, nicht nur für uns und unsere Ziele - gleichgültig wie groß und ambitioniert sie sein mögen - sondern auch für unsere Freunde, unsere Kinder, unsere Eltern da sein. Das sind die Menschen auf die es letztlich ankommt.

Wir alle wollen, dass man unserer liebevoll gedenkt, wenn wir das Leben verlassen haben. Wir leben ein Stück weiter dadurch.

Auch diese Menschen leben augenscheinlich in Ihrem Gedächtnis ein Stück weiter. Unter Ihnen haben vielleicht einige die Anzeige gelesen, die das Bestattungshaus Friedrich veröffentlicht hat, und sie zum Anlass genommen, ihrem Nachbarn, Bekannten oder Freund noch einmal die letzte Ehre zu erwiesen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich bitte Sie, mit mir der Toten zu gedenken."


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Letzte Änderung am 26.09.2010 17:33 von leverkusen.
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