Stadtplan Leverkusen
26.09.2011 (Quelle: Coordiantion gegen Bayer-Gefahren)
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Carl Duisberg: Leverkusener Ehrenbürgerschaft aberkennen!


150. Geburtstag des BAYER-Generaldirektors am 29. Sept
Brief an OB Reinhard Buchhorn
Carl Duisberg verantwortlich für Giftgas-Einsatz und Zwangsarbeit

Am Donnerstag jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Carl Duisberg, dem langjährigen Generaldirektor der BAYER AG und geistigen Vater der IG FARBEN. In einem Brief an den Leverkusener Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn fordert die Coordination gegen BAYER-Gefahren zu diesem Anlass eine Aberkennung der Leverkusener Ehrenbürgerwürde Duisbergs sowie eine Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße.

Jan Pehrke, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Carl Duisberg war ein „verbrecherisches Genie“, das Zeit seines Lebens die Moral dem Geschäftssinn unterordnete. Für Profite ging Duisberg buchstäblich über Leichen. Wegen seiner Verantwortung für den Einsatz von Giftgas, die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und die enge Zusammenarbeit mit dem Nazi-Regime taugt Carl Duisberg nicht als Ehrenbürger oder Namensgeber.“ Die CBG beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit der Geschichte des BAYER-Konzerns und war u.a. Herausgeber des Buchs „Von Anilin bis Zwangsarbeit – Die Geschichte der IG Farben“.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Wuppertaler Carl Duisberg rücksichtslos die Vermarktung von Heroin als angeblich harmlosem Hustenmittel betrieben. BAYER warb damals weltweit für seine „Wundermittel“ Aspirin und Heroin. Als ein Wissenschaftler das Suchtpotential von Heroin anprangerte, äußerte Duisberg - zu diesem Zeitpunkt Prokurist bei BAYER - man müsse die „Gegner mundtot schlagen“. Obwohl sich rasch die Gefahr der Abhängigkeit herausstellte, führte der Konzern den gewinnbringenden Verkauf über Jahrzehnte hinweg fort.

Historisch wichtig ist Carl Duisbergs Rolle bei der Ausbeutung von Zwangsarbeitern im 1. Weltkrieg. Im September 1916 hatte Duisberg gegenüber den Generälen Hindenburg und Ludendorff den Mangel an Arbeitskräften beklagt. Mit dem Ausspruch „Öffnen Sie das große Menschenbassin Belgien" forderte der Generaldirektor den Einsatz von Zwangsarbeitern. Das Reichsamt des Inneren griff den Vorschlag auf und ließ rund 60.000 Belgier deportieren, was international zu Protesten führte. Die Deportation gilt als Vorläufer des ungleich größeren Zwangsarbeiter-Programms im 2. Weltkrieg. Auch verlangte Duisberg im 1. Weltkrieg die Annexion großer Gebiete in Osteuropa – ebenfalls eine Forderung, die 25 Jahre später Früchte trug.

Zur selben Zeit entwickelte Carl Duisberg gemeinsam mit Fritz Haber Giftgase wie „Grünkreuz“ und „Senfgas“, testete diese erstmals an der Front und betrieb vehement ihren Einsatz - wissentlich gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßend. Begeistert pries Duisberg den Chemie-Tod: „Die Gegner merken und wissen gar nicht, wenn Gelände damit bespritzt ist, in welcher Gefahr sie sich befinden und bleiben ruhig liegen, bis die Folgen eintreten." In Leverkusen wurde eigens eine Schule für den Gaskrieg eingerichtet. Zu Kriegsende befanden sich Duisberg und Haber auf den Auslieferungslisten der Alliierten und fürchteten eine Anklage als Kriegsverbrecher.

Der größte Erfolg für Carl Duisberg war die 1925 erfolgte Gründung der IG FARBEN, deren Aufsichtsratsvorsitzender er wurde. Den Zusammenschluss der deutschen Chemie-Industrie zum damals größten europäischen Konzern hatte Duisberg über Jahrzehnte hinweg betrieben.

Der Weimarer Republik stand Duisburg ablehnend gegenüber. Duisburg organisierte Spenden der Industrie an konservative und nationale Parteien, spätestens seit 1930 auch an die NSDAP. 1931 forderte Duisberg: "Fortwährend ruft das deutsche Volk nach einem Führer, der es aus seiner unerträglichen Lage befreit. Kommt nun ein Mann, der bewiesen hat, dass er keine Hemmungen hat, so muss diesem Mann unbedingt Folge geleistet werden." Im selben Jahr forderte Duisberg in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf die Schaffung eines europäischen Wirtschaftsblocks unter deutscher Dominanz.

Im Gegenzug für ihre Millionen-Spenden erhielt die IG FARBEN von den Nationalsozialisten Absatzgarantien für synthetischen Treibstoff und Kautschuk. Kein anderes Unternehmen kollaborierte in der Folge so eng mit dem Dritten Reich. Anlässlich seiner Pensionierung frohlockte Carl Duisberg denn auch: "Ich freue mich auf einen Lebensabend unter unserem Führer Adolf Hitler." Hitler wiederum kondolierte zum Tod Duisbergs 1935: "Die deutsche Chemie verliert in ihm einen ihrer ersten Pioniere und einen erfolgreichen Führer, die deutsche Wirtschaft einen ihrer großen Organisatoren. Sein Name wird in Deutschland in Ehren weiterleben."

Der Verein zur Erforschung der Sozialen Bewegungen in Wuppertal forderte am Freitag aus den selben Gründen eine Umbenennung des Wuppertaler Carl Duisberg Gymnasiums.



Meldungen, die sich auf diese Meldung beziehen:
11.09.2014: Dortmund: Stadtarchiv plädiert für Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße

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Letzte Änderung am 03.10.2012 08:40 von leverkusen.
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