Stadtplan Leverkusen
09.07.2014 (Quelle: Stadtverwaltung)
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Beliebt aber nicht unbedingt tierlieb: Tauben bei Hochzeiten


„Unterwegs im Namen der Liebe“ heißt es auf der Homepage eines Veranstalters, der Hochzeitstauben für die Vermählung anbietet. Und tatsächlich wird es in den letzten Jahren bei Hochzeiten immer beliebter, Tauben auffliegen zu lassen. Nicht immer aber finden die Tauben wieder den Weg in die heimische Voliere. So verirrte sich vor kurzem eine weiße Taube ins Rathausfoyer und wurde von einer Bürgerin ins Tierheim gebracht, da sie nicht durch eine Beringung einem Züchter zuzuordnen war. „Normalerweise finden Tauben zurück zu ihrem Taubenschlag“, erklärt Amtstierarzt Dr. Kurt Molitor, „warum das in diesem Fall nicht so war, wissen wir nicht. Vom Taubenzüchter allerdings ist es unverantwortlich, seine Tauben nicht zu kennzeichnen.“ Hätte der Züchter das getan, wäre er vom Veterinäramt benachrichtigt worden und hätte die Taube abholen können.

Ohnehin müsste der Züchter derartige Aktionen dem örtlichen Veterinäramt anzeigen und durch eine Beringung sicherstellen, dass die Tauben wieder zuzuordnen sind. Im Tierschutzgesetz ist vorgesehen, dass Veranstalter mit Tieren eine entsprechende tierschutzrechtliche Erlaubnis vorweisen müssen. Denn für solche Zwecke gezüchtete Tauben sind gelten als Haustauben, nicht als Wildtiere. Könnte das Veterinäramt einem Züchter nachweisen, dass er billigend in Kauf nimmt, dass seine Tauben vom Veranstaltungsort bis zum Taubenschlag verlorengehen - sie also als „Wegwerftauben“ gezüchtet wurden - würde das als Aussetzen von Haustieren geahndet und als Ordnungswidrigkeit behandelt, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Dass Tauben den Weg in den heimischen Taubenschlag wieder zurückfinden, liegt an der Monogamie der Vögel, erklärt der Amtstierarzt: „Sie finden wieder dorthin, wo der Partner zuhause ist.“ Wie sie das machen, ist bis heute noch nicht restlos erforscht. Aber schon lange bevor es die Kommunikation durch moderne Technologien gab, konnten Tauben wegen dieser Begabung für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet werden: Brieftauben waren vor der Erfindung des Telegraphen praktisch die einzige Möglichkeit, Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Zudem konnten Tauben Nachrichten auch ohne Aufsehen über feindliche Stellungen hinweg transportieren. Sogar der Nachrichtendienst Reuters begann 1850 mit Brieftauben. Der Unternehmensgründer Paul Julius Reuter übermittelte mit Brieftauben Aktiendaten zwischen Aachen und Brüssel. Heute werden Brieftauben fast ausschließlich für Wettbewerbe gehalten und gezüchtet. Die Züchter schließen sich in Brieftaubenzuchtvereinen zusammen, welche wiederum Reisevereinigungen bilden, die solche Wettbewerb durchführen.

Karl-Heinz Menrath ist Vorsitzender der Brieftauben Reisevereinigung Bayer Leverkusen und kennt hier vor Ort keine Züchter, die weiße Tauben für Hochzeiten verleihen. Er selbst hält auch nicht viel von dieser Praxis, schon allein weil die Hochzeitstauben zwar weiß, aber oft nicht die hellsten sind. „Als Brieftauben wären sie nicht zu gebrauchen. Es ist deshalb gerade bei diesen Tauben wichtig, sie zu kennzeichnen.“ Auch den Brautpaaren empfehlen Züchter und Amtstierarzt sich um die Rahmenbedingungen ihrer Hochzeitstauben zu kümmern. Schon bei der Planung eines Festes mit Beteiligung von Tieren sollten auch sie daran denken, die erforderliche Meldung im Veterinäramt abzugeben. Amtstierarzt Molitor: „Nichts ist ärgerlicher als Störungen einer feierlichen Veranstaltung durch Beschwerden von besorgten Bürgern oder von kurzfristig eingeschalteten Veterinärbehörden.“

„Alles hier für Tauben beschriebene gilt natürlich auch für alle anderen Tiere, die zu Hochzeiten oder bei anderen Veranstaltungen eingesetzt werden“, betont Dr. Kurt Molitor, „Die Tiere müssen gekennzeichnet sein, derartige Aktionen sollten dem örtlichen Veterinäramt angezeigt werden, eine entsprechende tierschutzrechtliche Erlaubnis muss vorliegen.“


Bilder, die sich auf Beliebt aber nicht unbedingt tierlieb: Tauben bei Hochzeiten beziehen:
09.07.2014: Karl-Heinz Menrath und Kurt Molitor mit Tauben

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Letzte Änderung am 09.07.2014 18:49 von leverkusen.
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