Stadtplan Leverkusen
01.04.2016 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Katharina Molitor: „Ich habe den Trubel nach dem WM-Titel sehr genossen“


Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor spricht im Interview mit Martin Neumann über die turbulenten Monate nach ihrem Triumph bei der WM in Peking und über den nahenden Startschuss in den Olympiasommer!

Katharina Molitor, Weltmeisterin: Wie hört sich das an?

Ehrlich gesagt: Immer noch ungewohnt – aber auf jeden Fall sehr gut! Nach dem WM-Sieg hatte ich ja nur wenig Zeit darüber nachzudenken, weil der Trubel sehr groß war und kurz darauf schon wieder Wettkämpfe anstanden. Jetzt konnte ich es ein paar Monate sacken lassen und freue mich unheimlich auf die anstehende Saison.

Sie haben sich beim WM-Finale 2015 in Peking mit dem allerletzten Wurf der Konkurrenz mit 67,69 Metern noch vom Bronze- auf den Goldrang nach vorne katapultiert. Wussten sie vor diesem Wurf, dass sie den WM-Titel „im Arm“ hatten?
Ich habe es nicht gewusst oder gespürt. Doch hatte ich den großen Vorteil, dass ich nach dem dritten Durchgang in Führung lag und deshalb als letzte Werferin an der Reihe war. Das war die Mega-Chance. Da mir Bronze schon sicher war – und damit der schon größte Erfolg in meiner Karriere – konnte ich total befreit in den letzten Versuch gehen. Und die 66,13 Meter der bis dato führenden Chinesin Lu Huihui hatte ich ja auch schon im Saisonverlauf übertroffen.

Haben Sie gleich beim Abwurf gespürt, dass es der Goldwurf war?
Ich habe gemerkt, dass der Wurf gut war. Aber ich wusste nicht, ob er 62, 65 oder 67 Meter weit sein würde.

Was war Ihr erster Gedanke, als die Gold-Weite auf der Anzeigetafel auftauchte?
Das weiß ich gar nicht mehr. Es war einfach Freude pur. Ich hatte ja schon auf der Videoleinwand gesehen, dass der Wurf deutlich über die eingeblendete Führungsweite geflogen war. Als das Ergebnis dann angezeigt wurde, konnte ich es gar nicht fassen und bin den Armen von Christina Obergföll gelandet.

Nach dem Titel folgten viele Termine. Hat sich der Trubel schon wieder etwas gelegt?
Ja, seit der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ kurz vor Weihnachten ist es definitiv ruhiger geworden. Es war eine tolle Zeit, ich habe sie sehr genossen.

Ein WM-Titel wird vom Weltverband IAAF mit 60.000 US-Dollar belohnt. Hat die IAAF-Zentrale in Monaco schon überwiesen? Und wenn ja: Was stellen Sie mit diesem hübschen Sümmchen an?
Ja, das Geld ist schon da. Aber leider landet ja nicht der volle Betrag auf dem Konto. Das Finanzamt nimmt sich seinen Teil und den Rest werde ich sparen.

Nach der WM ist vor Olympia: Im August könnten Sie in Rio Ihre dritten Olympischen Spiele erleben. Allerdings sind Sie selbst als Weltmeisterin nicht automatisch qualifiziert …
… weil wir in Deutschland eben die meisten Weltklasse-Speerwerferinnen haben. 2015 in Peking standen neben meiner Trainingspartnerin Linda Stahl und mir auch noch Christina Obergföll und Christin Hussong im WM-Finale. Das war möglich, weil Christina als Titelverteidigerin eine Wildcard hatte. Die gibt’s bei Weltmeisterschaften, bei Olympischen Spielen nicht. Bei drei Startplätzen wird eine von uns Vieren in Rio nicht dabei sein.

Wie sehen Sie Ihre Chancen auf den Rio-Start?
Wir haben alle vier ein vergleichbares Niveau. Deshalb sage ich ganz realistisch: 75 Prozent. Keine von uns hat große Vorteile gegenüber den anderen. Und eine von uns muss leider zu Hause bleiben.

2008 in Peking waren Sie Olympia-Achte, 2012 in London Olympia-Sechste. Sofern es mit der Qualifikation klappt: Welche Ziele haben Sie sich für Rio gesetzt?
Wenn es mir gelingt, Bestleistung zu werfen oder ich dicht rankomme, wäre es ein Traum. Über den Platz mache ich mir keine großen Gedanken. Mit einer solchen Weite kann man eine Medaille holen. Allerdings musste man auch manchmal schon 68 Meter für eine Olympiamedaille werfen.

Werden Rio Ihre letzten Spiele sein?
Ja, definitiv. Ich werde nach der Saison 2016 entscheiden, ob ich noch ein Jahr dranhänge oder nicht?

Sie scheinen sich schon sehr konkret mit dem Karriereende zu beschäftigen. Dabei sind Sie für eine Speerwerferin erst 32 Jahre jung …
… und studiere noch. Mein Lehramts-Studiengang läuft allerdings 2017 aus. Darum muss ich mich an der Uni nach der Olympiasaison reinhängen, um nicht viele Kurse und Prüfungen noch einmal machen zu müssen. Daher hat das Studium 2017 Priorität.

Zurück in die Gegenwart: Die Hallensaison der Leichtathleten neigt sich gerade dem Ende entgegen. Was machen eigentlich Speerwerfer im Winter, für die es in den kalten Monaten gar keine wichtigen Wettkämpfe gibt?
Trainieren, trainieren, trainieren. Wir verzichten seit fünf, sechs Jahren auf Winterwurf-Wettkämpfe. Abgesehen vielleicht vom Start beim Winterwurf-Europacup.

Sie trainieren seit Jahren bei Helge Zöllkau. Er hat Sie 2015 zur Weltmeisterin gemacht, 2009 war sein Schützling Steffi Nerius Weltmeisterin, 2010 Ihre Trainingspartnerin Linda Stahl Europameisterin. Wie schafft er es immer wieder, Speerwerferinnen zu Titeln zu führen?
Sein Geheimnis kenne ich nicht (lacht). Ich kenne aber zwei seiner absoluten Stärken: Er hat eine ungeheure Erfahrung im Wurfbereich. Die bringt er in jede Trainingseinheit, in jede kleine Situation mit ein. Und er geht ganz individuell auf seine Athleten ein – fördert die Stärken, arbeitet an den Schwächen der Sportler.

Sind Sie und Ihre Trainingspartnerin Linda Stahl denn so verschieden?
Oh ja! Beispielsweise bringt Linda viel höhere Kraftwerte mit als ich. Im Kraftraum kann sie viel größere Lasten bewegen. Auf der anderen Seite bin ich beweglicher als sie und auch größer. Daraus resultiert ein höherer Abwurfpunkt.

Ihre Körpergröße von 1,82 Metern brauchen Sie auch für Ihre zweite sportliche Leidenschaft. Sie spielen für den TSV Bayer 04 Leverkusen in der Zweiten Volleyball-Bundesliga. Was fasziniert Sie als „Leichtathletik-Einzelkämpferin“ an dieser Teamsportart?
Tatsächlich ist es der Teamgeist. Man hält zusammen, gewinnt und verliert gemeinsam. Ich muss aber klar sagen: Geschätzte 85 bis 90 Prozent meiner Trainingszeit wende ich für den Speerwurf auf, der Rest bleibt für den Volleyball. Doch wenn’s mit dem Speer nicht so recht laufen will, werde ich in der Mannschaft wieder aufgebaut. Die Mädels reißen einen mit, geben positive Energie und Rückhalt.

Sie spielen Mittelblockerin. Welche besonderen Fähigkeiten sind auf dieser Position gefragt?
Man muss groß sein und hoch springen können. Außerdem sollte man flink auf den Beinen sein und ordentlich auf den Ball hauen können. Da kommt mir mein Speerwurf-Armzug schon entgegen (lacht).

Was muss passieren, dass Katharina Molitor Ende 2016 sagen kann: „Ja, das war sportlich ein sehr gutes Jahr für mich – als Speerwerferin und als Volleyballerin“?
Mit den Volleyballerinnen hatten wir ja schon eine tolle Saison, die allen viel Spaß gemacht hat. Wenn es so weiterläuft, können wir Zweitliga-Meister in der Nordgruppe werden. Wichtiger ist für mich aber natürlich der Sommer mit den Olympischen Spielen. Wenn ich in Rio Richtung Bestleistung werfen kann, werde ich zufrieden auf 2016 zurückblicken.


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Letzte Änderung am 02.04.2016 11:59 von leverkusen.
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