Stadtplan Leverkusen
20.01.2006 (Quelle: TSV Bayer 04)
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Tafelmeier und Wolfermann trauern um Trainer Hans Schenk


Nur 19 Tage nach der Vollendung seines 70. Lebensjahres starb Hans Schenk am Donnerstag in Leverkusen, wo er nach der Flucht aus Ostpreußen vor sechs Jahrzehnten eine zweite Heimat gefunden hatte. „Er war ein Trainer von eigener, von besonderer Art. Er gab seine große Erfahrung, die auch aus seiner eigenen Werfer-Laufbahn stammte, wie ein sehr guter Freund an die Athleten weiter. Für mich war er eine riesige Respektperson“, sagte tiefbewegt Deutschlands erfolgreichster Speerwerfer Klaus Wolfermann: „Als ich die von einem Journalisten übermittelte Nachricht auf der Mailbox meines Handys hörte, bin ich auf der Autobahn erst einmal auf den nächsten Parkplatz gefahren, so betroffen war ich.“

Trauer herrscht vor allem auch bei seinem Klub Bayer 04 Leverkusen und bei seinem erfolgreichsten Bayer-04-Schüler Klaus Tafelmeier. Ihn führte der EM-Siebte von 1958 vom B-Jugendlichen bis zum Europameister und Weltrekordmann. Viele ehemalige Studenten der Deutschen Sporthochschule in Köln und frühere Schüler am Leverkusener Carl-Duisberg-Gymnasium werden sich an einen Pädagogen aus Passion erinnern.

Hans Schenk wurde im kleinen ostpreußischen Dorf Moldszen südwestlich von Insterburg geboren. Ohne den im Zweiten Weltkrieg gefallenen Mann musste seine Mutter mit ihren sechs Kindern in den Westen flüchten. Auf dem Opladener Realgymnasium fiel er durch seine sportliche Begabung auf. „Komm, Hans, zeig deinen Kameraden mal den Feldumschwung“, rief sein Sportlehrer ihn oft als Vorturner zu Hilfe. Kein Wunder, dass er 1951 zu den Leichtathleten von Bayer 04 kam. Zuerst lief er die Mittelstrecken, wie drei Jahrzehnte später seine Tochter Anette (1500-m-Bestleistung 4:19,85 Minuten). Franz Lengert begeisterte ihn für den Speerwurf. Zu einer Zeit, da der große Trainer Bert Sumser schon wie ein Magnet viele spätere Leichtathletik-Größen mit 100-m-Olympiasieger und -Weltrekordmann Armin Hary an der Spitze in die Chemiestadt am Rhein gelockt hatte, stieg Hans Schenk bei Bayer 04 zum ersten Leverkusener Eigengewächs auf, das den Sprung in der Weltklasse geschafft hat.

1958 wurde er als zweitbester deutscher Werfer nach dem Kugelstoßer Hermann Lingnau Siebter bei den Europameisterschaften in Stockholm – bei jenen Titelkämpfen, von denen Armin Hary (100 m und mit der 4x100-m-Staffel) die erste und die zweite von vielen, vielen Leverkusener Goldmedaillen mit nach Hause brachte. In der letzten gesamtdeutschen Olympia-Mannschaft in den Jahren der deutschen Teilung nahm er an den Olympischen Spielen in Tokio teil. Aus jenem vorletzten Jahr seiner Laufbahn als Werfer stammt auch seine persönliche Bestleistung: 78,12 Meter. Parallel zu seiner Sportler-Karriere lief seine berufliche Entwicklung. Nach der Realschule lernte er zuerst Industriekaufmann. Das war seine finanzielle Grundlage für das Studium an der Deutschen Sporthochschule. Dort wirkte er später wie sein Speerwurf-Wegbegleiter Rolf Herings (deutscher Rekordmann, danach viele Jahre Konditionstrainer beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln und eine Reihe von Jahren auch der Spezialtrainer von mehreren Nationaltorhütern) als Leichtathletik-Dozent.

Hans Schenk war schon Bundestrainer der Speerwerfer, als Klaus Wolfermann 1972 in München Olympiasieger wurde. „Da Hermann Rieder, der jahrelang mein Heimtrainer war, nach 1972 aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand, war es völlig klar, dass Hans an seine Stelle trat“, erinnert sich der „Sportler des Jahres 1972 und 1973“. Er kam gerne nach Leverkusen, nicht nur, weil Hans Schenks Frau „so tollen Kuchen backte“. Gleich in seinem ersten Wettkampf nach dem Heimtrainer-Wechsel warf der Bayer am 5. Mai 1973 auf dem Werferplatz zwischen der schmalen Leichtathletik- und der Sporthalle mit 94,08 Meter Weltrekord. Bald darauf entdeckte Hans Schenk in Singen am Hohentwiel einen B-Jugendlichen mit „ungewöhnlichem Talent“. Er holte Klaus Tafelmeier nach Leverkusen, nachdem er für ihn eine sehr gute familiäre Anbindung beim damaligen Bayer-Werksleiter Professor Weise gefunden hatte. Nach vielen weiten Würfen, aber auch Rückschlägen, krönte Klaus-Dieter, wie er mit vollem Vornamen hieß, seine Laufbahn 1986 mit dem Gewinn des Europameistertitels in Stuttgart und im darauffolgenden Monat mit einem Weltrekordwurf (85,74 m) mit dem neuen Speer.

Die Olympischen Spiele 1988 in Seoul wurden für Schenk zum tragischen Schlusspunkt hinter eine sehr erfolgreiche Bundestrainer-Laufbahn. Nach einer sehr schwierigen Blinddarmoperation, die in Koreas Hauptstadt notwendig wurde, legte Hans Schenk sein Amt nieder. Er widmete sich dem Golf. Dort brachte er es auf ein sehr beachtliches Handicap und wirkte auch als Lehrer für junge Golfer. Mehrere schwere Hüftoperationen brachten ihm in seinen letzten Lebensjahre nicht die erhoffte gesundheitliche Genesung.


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Letzte Änderung am 04.11.2010 09:23 von leverkusen.
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